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22. September 2026

25 Jahre Cleveland: Franz Welser-Möst dirigiert seine letzte Saison

Franz Welser-Möst beginnt beim Cleveland Orchestra seine 25. und letzte Saison als Music Director. Zum Auftakt verbindet er Richard Strauss’ Vier letzte Lieder mit Schostakowitschs Achter Sinfonie – zwei Werke des 20. Jahrhunderts, die zwischen Abschied, Kriegserfahrung und der Frage nach menschlicher Widerstandskraft stehen.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Der Dirigent Franz Welser-Moest
Der Dirigent Franz Welser-Moest | © Julia Wesely

Mainz/Cleveland - In Cleveland beginnt eine Saison des Abschieds mit Musik über die letzten Dinge. Franz Welser-Möst steht vor seinem 25. und letzten Jahr als Music Director des Cleveland Orchestra. Vom 17. bis 20. September dirigierte er im Mandel Concert Hall Richard Strauss’ Vier letzte Lieder und Dmitri Schostakowitschs Achte Sinfonie. Die südafrikanische Sopranistin Golda Schultz übernahm den Solopart in Strauss’ spätem Liedzyklus.

Die Wahl des Programms gibt dem Auftakt eine besondere Färbung. Strauss komponierte die Vier letzten Lieder 1948, wenige Monate vor seinem Tod und unter dem Eindruck der Nachkriegszeit. Die vier Lieder führen von der Erwartung des Frühlings über Herbst und Einschlafen bis zum Abendrot. Trotz des groß besetzten Orchesters bleibt die Stimme im Zentrum: Schultz bewegt sich durch einen weit gespannten Strauss-Klang, ohne dass die vokale Linie ihre kammermusikalische Intimität verliert.

Schostakowitschs Achte Sinfonie setzt dazu einen schroffen Kontrast. Das 1943 entstandene Werk reagiert auf die Erfahrung des Krieges mit extremen musikalischen Gegensätzen. Auf eruptive Passagen folgen einsame Instrumentalfarben und lange Spannungsfelder; eine einfache triumphale Auflösung verweigert die Musik. Welser-Möst stellt damit zwei Werke nebeneinander, die auf unterschiedliche Weise von einer Welt im Umbruch erzählen.

Der Saisonauftakt ist zugleich der Beginn einer letzten gemeinsamen Spielzeit, die in Cleveland auf eine außergewöhnlich lange Zusammenarbeit zurückblickt. Welser-Möst übernahm 2002/03 offiziell die musikalische Leitung. Bereits 1993 war er erstmals als Gastdirigent beim Orchester aufgetreten; seit 1995 dirigierte er es in jeder Saison. Bis zum Ende der Spielzeit 2026/27 wird er nach Angaben des Orchesters mehr als 1.200 Aufführungen in 93 Städten, 15 US-Bundesstaaten und 26 Ländern geleitet haben. 56 der derzeit 100 Orchestermitglieder wurden während seiner Amtszeit berufen.

Seine Arbeit beschränkte sich dabei nicht auf das Konzertrepertoire. Welser-Möst machte Oper zu einer festen Tradition in Cleveland und führte 2023 zur Gründung des Mandel Opera & Humanities Festival. Auf Dvořáks Rusalka, Strauss’ Ariadne auf Naxos, Janáčeks Das schlaue Füchslein, Puccinis La fanciulla del West und Mozarts Zauberflöte folgt im Mai 2027 Richard Strauss’ Die Frau ohne Schatten. Die vollständig szenische Produktion bildet den operatischen Abschluss seiner Amtszeit.

Auch musikalisch zieht sich eine Linie durch die letzte Saison. Neben dem zentralen Repertoire stehen Werke lebender Komponisten und Wiederentdeckungen auf dem Programm. Bis zum Ende der Spielzeit wird Welser-Möst mit dem Cleveland Orchestra 27 Uraufführungen und 21 US-Erstaufführungen geleitet haben. Zugleich bleibt seine Beschäftigung mit dem mitteleuropäischen und russischen Repertoire ein wesentlicher Bestandteil seiner Arbeit.

Zum Abschluss folgen drei ausdrücklich als „Signature Franz Welser-Möst“ bezeichnete Programme. Auf Haydns Schöpfung und Strauss’ Alpensinfonie folgt im Mai The Last Waltz. Dazwischen steht Die Frau ohne Schatten als große szenische Strauss-Partitur.

In Cleveland beginnt damit ein letztes gemeinsames Jahr, dessen erster Klang von Strauss’ Abendrot und Schostakowitschs Kriegssinfonie geprägt ist. Im Mai 2027 wird Welser-Möst mit Die Frau ohne Schatten eine 25-jährige Amtszeit beenden, die das Orchester musikalisch, personell und programmatisch nachhaltig geprägt hat.