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13. September 2026

75 Jahre Wexford Festival Opera: Seltene Opern, große Stimmen und ein Jubiläumsprogramm

Vom 15. bis 31. Oktober 2026 feiert das Wexford Festival Opera in Irland seine 75. Ausgabe. Drei selten gespielte Hauptwerke von Mascagni, Rossini und Prokofjew stehen im Zentrum; dazu kommen irische Operngeschichte, Uraufführungen, Nachwuchssänger und ein Wiedersehen mit Künstlern, deren Karrieren einst in Wexford begannen.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die irische Stadt Wexford
Die irische Stadt Wexford | © Ros Kavanagh

Mainz/Wexford - Wexford feiert sein 75-jähriges Opernjubiläum nicht mit einem Rückblick allein, sondern mit einem Programm, das die eigene Geschichte zum Ausgangspunkt für neue Produktionen nimmt. Vom 15. bis 31. Oktober 2026 bringt das Wexford Festival Opera drei Hauptwerke auf die Bühne des National Opera House: Pietro Mascagnis Iris, Gioachino Rossinis L’equivoco stravagante und Sergei Prokofjews Der Spieler. Alle drei Opern waren bereits Teil der Wexforder Festivalgeschichte und werden nun in neuen Inszenierungen und mit den heutigen Möglichkeiten des Hauses erneut auf die Bühne gebracht.

Im Zentrum steht eine Programmidee, die Wexford seit Jahrzehnten prägt: Opern abseits des gängigen Repertoires werden nicht als museale Raritäten behandelt, sondern auf ihre musikalische und szenische Gegenwartstauglichkeit hin befragt. Mascagnis Iris etwa führt in eine symbolistisch aufgeladene Welt zwischen religiöser Sehnsucht, Verführung und Gewalt. Die 1898 uraufgeführte Oper erlebt in Wexford eine neue Produktion unter der musikalischen Leitung des Mascagni-Spezialisten Francesco Cilluffo und in der Regie von Rosetta Cucchi. Für zusätzliche Aufmerksamkeit sorgt die Besetzung: Der maltesische Tenor Joseph Calleja kehrt nach Wexford zurück und übernimmt die Partie des Osaka.

Rossinis L’equivoco stravagante führt dagegen mitten in die Komödie. Das 1811 entstandene Werk war Rossinis erste großformatige Oper und verschwand nach Konflikten mit der Zensur aus dem Repertoire. Wexford präsentierte die Oper bereits 1968; damals basierte die verwendete Fassung auf musikalischen Entlehnungen aus späteren Rossini-Werken, da Teile des ursprünglichen Materials als verschollen galten. Eine inzwischen erarbeitete kritische Edition ermöglicht es nun, die Oper wieder näher an Rossinis ursprünglicher Konzeption aufzuführen. Bemerkenswert ist auch die Entstehung der Produktion: Erstmals in der Geschichte des Festivals wurde eines der Hauptwerke durch eine Publikumsabstimmung ausgewählt. Mehr als 1.100 Stimmen aus 30 Ländern gingen ein.

Mit Der Spieler von Sergei Prokofjew schlägt das Festival einen deutlich härteren Ton an. Die nach Fjodor Dostojewskis Roman entstandene Oper erzählt von Alexei, dessen Liebe zu Polina und seine zunehmende Besessenheit vom Glücksspiel immer enger miteinander verknüpft sind. Prokofjews kantige, rhythmisch nervöse Musik überträgt die psychologische Spannung unmittelbar in den Klang. Die neue Wexforder Produktion entsteht unter der Leitung des Regisseurs Ivan Popovski und des Dirigenten Valentin Uryupin; gesungen wird auf Russisch mit englischen Übertiteln.

Die Verbindung von Festivalgeschichte und Gegenwart zeigt sich auch in den beiden kleineren Opernproduktionen. Michael William Balfe schrieb The Rose of Castile, das 1951 beim allerersten Wexford Festival gespielt wurde. Die Oper erzählt von der Königin Elvira von León, die sich als Bäuerin verkleidet, um einer arrangierten Ehe zu entgehen, und dabei ausgerechnet den als Maultiertreiber auftretenden König von Kastilien kennenlernt. Mit Charles Villiers Stanfords Much Ado About Nothing folgt ein weiteres Werk eines irischen Komponisten. Die 1901 uraufgeführte Shakespeare-Adaption verbindet komödiantische Verwicklungen mit einer musikalischen Zeichnung der wechselnden Beziehungen zwischen den Figuren.

Besonders eng mit der Zukunft des Festivals verbunden ist The First Festival, eine Auftragsoper des Komponisten Alberto Caruso und des irischen Schriftstellers Colm Tóibín. Sie blickt auf den Oktober 1951 zurück, als in Wexford erstmals das Festival stattfand, und wurde eigens für die Nachwuchssänger des Wexford-Factory-Programms geschrieben. So wird aus der historischen Erinnerung ein musikalischer Blick auf jene jungen Künstler, die selbst am Beginn ihrer Laufbahn stehen.

Auch die Stadt selbst wird in das Jubiläumsprogramm einbezogen. Die Community Opera Still, life… von Ailís Ní Ríain entsteht unter Mitwirkung von Menschen aus Wexford. Das Projekt führt damit eine seit 2023 bestehende Festivaltradition fort, bei der die Bewohner der Stadt nicht nur Zuschauer, sondern Teil der Produktion werden. Auch für die Ausgabe 2026 sind wieder zahlreiche Mitglieder der lokalen Gemeinschaft beteiligt.

Zum Jubiläumsprogramm gehören außerdem das Konzert Croí na Féile am 17. Oktober mit Joseph Calleja, Ermonela Jaho, Daniela Barcellona und Giorgi Manoshvili unter der Leitung von Daniele Callegari sowie ein Gala-Konzert am 25. Oktober. Ergänzt wird das Opernprogramm durch Mittagsrezitale in der St Iberius Church und im National Opera House, Gespräche, historische Führungen und späte musikalische Formate wie The Next 75.

Wexford macht damit zum 75. Geburtstag genau das sichtbar, was die Geschichte des Festivals seit 1951 auszeichnet: Die Vergangenheit liefert den Stoff, doch auf der Bühne entscheidet sich erst heute, welche selten gehörten Werke wieder lebendig werden. Zwischen Mascagnis Iris, Rossinis verschollener Komödiengeschichte, Prokofjews psychologischem Abgrund und den irischen Stimmen von Balfe und Stanford wird das Jubiläum selbst zur Aufführungsgeschichte – und Wexford bleibt ein Ort, an dem Opernrepertoire nicht nur bewahrt, sondern immer wieder neu befragt wird.