15. Oktober 2026
Anna Netrebko singt Verdis Requiem an der Mailänder Scala
Am 28. und 30. Oktober steht Anna Netrebko im Mittelpunkt von Verdis Messa da Requiem am Teatro alla Scala. Riccardo Chailly dirigiert Orchester und Chor des Hauses; mit Ekaterina Gubanova, Fabio Sartori und Michele Pertusi ist das Solistenquartett komplett. Das Konzert verbindet eine international gefragte Sopranistin mit einem Werk, in dem Verdi die Ausdrucksmittel der Oper in den Rahmen einer Totenmesse überführt.

Mainz/Mailand - Anna Netrebko kehrt Ende Oktober mit Giuseppe Verdis Messa da Requiem an die Mailänder Scala zurück. Die beiden Konzerte finden am 28. und 30. Oktober 2026 statt. Riccardo Chailly dirigiert das Orchester und den Chor des Teatro alla Scala. Neben Netrebko im Sopranpart wirken die Mezzosopranistin Ekaterina Gubanova, der Tenor Fabio Sartori und der Bass Michele Pertusi mit. Die Einstudierung des Chores liegt bei Alberto Malazzi.
Verdis Requiem ist eine Totenmesse, die sich kaum auf stille Andacht beschränkt. Im Dies irae brechen Chor und Orchester mit elementarer Wucht hervor, das „Tuba mirum“ steigert die dramatische Spannung, während das „Lacrymosa“ den Blick auf die Trauer der Einzelnen richtet. Im „Libera me“ erhält der Sopran eine zentrale Rolle: Die Stimme muss sich zwischen flehender Bitte, lyrischer Linie und den großen Ausbrüchen des Chores behaupten.
Die Verbindung von sakralem Text und opernhafter Dramatik macht das Werk zu einer besonderen Herausforderung für die Solisten. Verdi gestaltet den liturgischen Ablauf als Folge musikalischer Szenen, in denen Angst, Hoffnung und die Bitte um Erlösung unmittelbar hörbar werden. Die Sopranpartie verlangt dabei sowohl Durchschlagskraft in den großen Ensembles als auch Kontrolle und Ruhe in den zurückgenommenen Passagen.
Mit Chailly steht ein Dirigent am Pult, der Verdis Musik an der Scala seit Jahren prägt. Die vier Solisten und die Ensembles des Hauses gestalten gemeinsam eine Partitur, in der sich individuelle Klage und kollektive Erschütterung verbinden. Anders als in Verdis Opern entsteht die Dramatik hier nicht aus dem Konflikt einzelner Bühnenfiguren, sondern aus der existenziellen Frage nach Tod, Gericht und Erlösung.
Die beiden Aufführungen gehören zum Konzertprogramm der Scala-Saison 2026/27. In Mailand begegnet Verdis geistliches Hauptwerk einem Haus, dessen musikalische Geschichte eng mit dem Komponisten verbunden ist. Am Ende steht kein Bühnenfinale, sondern die Bitte um Frieden und Erlösung – getragen von der Stimme des Einzelnen ebenso wie von Chor und Orchester.