26. August 2026
Elīna Garanča und Ermonela Jaho in Wien: Starbesetzung für „Adriana Lecouvreur“
Die Wiener Staatsoper eröffnet ihre September-Saison mit Francesco Cileas „Adriana Lecouvreur“ in hochkarätiger Besetzung. Ermonela Jaho singt die Titelpartie, Elīna Garanča übernimmt die Fürstin von Bouillon. Marco Armiliato dirigiert die Produktion von David McVicar.

Mainz/Wien - Mit einer ungewöhnlichen Sängerinnenkonstellation setzt die Wiener Staatsoper im September 2026 auf Francesco Cilèas „Adriana Lecouvreur“. Am 5. September treffen Ermonela Jaho und Elīna Garanča als Gegenspielerinnen aufeinander. Jaho übernimmt die Titelrolle der gefeierten Schauspielerin Adriana Lecouvreur, Garanča singt die Principessa di Bouillon. Marco Armiliato dirigiert, inszeniert ist die Oper von David McVicar. Weitere Vorstellungen folgen am 8., 11. und 14. September.
Cilèas 1902 in Mailand uraufgeführte Oper führt ins Paris des Jahres 1730 und in die Welt der Comédie-Française. Im Mittelpunkt steht die gefeierte Schauspielerin Adriana Lecouvreur, die den Grafen von Sachsen, Maurizio, liebt. Dieser unterhält zugleich eine Beziehung zur Fürstin von Bouillon. Aus der Rivalität der beiden Frauen entwickelt Cilea ein Drama aus Liebe, Eifersucht und Intrigen, in dem Theater und Privatleben zunehmend ineinandergreifen.
Gerade die Besetzung der beiden zentralen Frauenfiguren gibt der Wiener Produktion ihren Charakter. Ermonela Jaho übernimmt mit Adriana eine Partie, die Sopran und darstellerische Intensität gleichermaßen fordert. Die Figur der Schauspielerin steht im Zentrum des Geschehens und verbindet die Welt der Bühne unmittelbar mit dem privaten Drama.
Elīna Garanča übernimmt die Partie der Principessa di Bouillon. Damit steht eine international profilierte Mezzosopranistin der Sopranpartie Adrianas gegenüber. Die unterschiedliche stimmliche Anlage der beiden Rollen entspricht zugleich ihrer dramatischen Konstellation: Hier die Schauspielerin aus der Welt des Theaters, dort die aristokratische Rivalin, die ihre gesellschaftliche Stellung und ihren Einfluss einzusetzen weiß. Die Prinzessin lässt Adriana aus Eifersucht schließlich einen vergifteten Veilchenstrauß zukommen.
An ihrer Seite singt Luciano Ganci den Maurizio, Grafen von Sachsen. Roberto Frontali übernimmt Michonnet, den Bühneninspizienten der Comédie-Française und heimlichen Verehrer Adrianas. Zu den weiteren Mitwirkenden gehören Simonas Strazdas als Fürst von Bouillon, Andrea Giovannini als Abate, Ivo Stanchev als Quinault, Carlos Osuna als Poisson und Ileana Tonca als Jouvenot.
Die musikalische Leitung liegt bei Marco Armiliato. Cilèas Partitur steht in der Tradition des italienischen Verismo, verbindet melodische Kantabilität mit einer differenzierten Orchesterbehandlung und ist eng auf die dramatische Wirkung der Handlung zugeschnitten. Zu den bekanntesten musikalischen Momenten gehören Adrianas „Io son l'umile ancella“ und die Arie der Fürstin, „Acerba voluttà“.
Auf der Bühne steht David McVicars Inszenierung, die die Handlung in ihrer ursprünglichen Zeit belässt: Paris im Jahr 1730. Charles Edwards zeichnet für das Bühnenbild verantwortlich, die Kostüme stammen von Brigitte Reiffenstuel, das Licht von Adam Silverman. Die Produktion rückt damit die historische Theaterwelt, in der Cileas Handlung spielt, ins Zentrum. Adriana ist selbst Schauspielerin – und ihre Bühne wird zugleich zum Schauplatz ihrer persönlichen Konflikte.
Besonders dicht ist die Konstellation im dritten Akt. Bei einem Fest im Palais der Fürstin begegnen sich Adriana und ihre Rivalin erneut. Die Fürstin erkennt Adriana an ihrer Stimme und versucht, Gewissheit über ihre Beziehung zu Maurizio zu erlangen. Schließlich kommt es zur offenen Konfrontation: Adriana trägt auf Aufforderung einen Abschnitt aus Racines „Phèdre“ vor und richtet die Verse so gegen ihre Rivalin, dass deren Untreue für die Anwesenden erkennbar wird. Die Fürstin schwört daraufhin Rache.
Im letzten Akt kehrt Adriana der Bühne zunächst den Rücken. Ein zurückgesandter Strauß verwelkter Veilchen, den sie einst Maurizio geschenkt hatte, lässt sie an seiner Liebe zweifeln. Maurizio erscheint jedoch, bittet sie um Verzeihung und macht ihr einen Heiratsantrag. Zu spät erkennt Adriana, dass die Blumen von der Fürstin vergiftet worden sind. Sie stirbt an den Folgen des Gifts in den Armen ihres Geliebten.
Die Wiener Staatsoper zeigt „Adriana Lecouvreur“ damit gleich zu Beginn ihrer September-Spielserie in einer prominenten Besetzung. Wenn Ermonela Jaho als Adriana und Elīna Garanča als Principessa di Bouillon aufeinandertreffen, steht nicht nur die Begegnung zweier internationaler Sängerinnen im Mittelpunkt, sondern auch eine Oper, in der Theater, Liebe, Eifersucht und gesellschaftliche Gegensätze unmittelbar miteinander verbunden sind.