26. August 2026
Kaufmann und Yoncheva: Puccinis „Tosca“ unter freiem Himmel in Sofia
Sonya Yoncheva und Jonas Kaufmann standen am 25. August erstmals gemeinsam in Bulgarien auf der Bühne. Puccinis „Tosca“ wurde beim Festival „Gala in Sofia“ vor der Alexander-Newski-Kathedrale mit dem Orchester, Chor und Ballett der Sofia Opera unter Grigor Palikarov aufgeführt. Das Publikum reagierte mit stehenden Ovationen und achtminütigem Applaus.

Mainz/Sofia - Sofia wurde am 25. August zum Schauplatz einer außergewöhnlichen Open-Air-Aufführung von Giacomo Puccinis „Tosca“. Auf dem Platz vor der Alexander-Newski-Kathedrale trafen mit Sonya Yoncheva als Floria Tosca und Jonas Kaufmann als Mario Cavaradossi zwei international etablierte Puccini-Interpreten erstmals in Bulgarien in diesen Rollen aufeinander. Die musikalische Leitung lag bei Grigor Palikarov; beteiligt waren nahezu 100 Musikerinnen und Musiker aus Orchester, Chor und Ballett der Sofia Opera.
Die Wahl von „Tosca“ verbindet die monumentale Kulisse Sofias mit einem Werk, dessen Handlung selbst von markanten Orten und politischer Spannung geprägt ist. Puccinis Oper spielt im Rom des Jahres 1800 und führt innerhalb eines einzigen Tages durch die Kirche Sant’Andrea della Valle, den Palazzo Farnese und die Engelsburg. Im Zentrum stehen die Sängerin Floria Tosca, der Maler und Republikaner Cavaradossi sowie der Polizeichef Scarpia, der seine Macht nutzt, um Tosca und ihren Geliebten zu kontrollieren.
Für Sonya Yoncheva gehört Tosca zu den prägenden Rollen ihres Repertoires. Seit ihrem Rollendebüt an der Metropolitan Opera im Jahr 2018 hat die in Bulgarien geborene Sopranistin die Partie unter anderem in Verona, Wien, London, Rom und Berlin gesungen. In Sofia kehrte sie damit zu einem Festival zurück, das sie selbst initiiert hat und das 2026 erstmals drei unterschiedliche Abende mit elektronischer Musik, Oper und Crossover verbindet.
Jonas Kaufmann übernahm die Rolle des Cavaradossi. Der deutsche Tenor hat die Partie über viele Jahre hinweg an internationalen Opernhäusern gesungen und bezeichnete sie im Vorfeld der Sofia-Aufführung als eine Rolle, die er besonders häufig verkörpert habe und deren musikalische Gestaltung ihn weiterhin beschäftige. Gerade Cavaradossis große Arien „Recondita armonia“ und „E lucevan le stelle“ verlangen die Verbindung von lyrischer Linie, dramatischer Zuspitzung und großer tenoraler Präsenz.
Als Scarpia war der Bariton Igor Golovatenko zu erleben. Damit entstand auch in der Besetzung des Abends das zentrale Dreieck der Oper aus Tosca, Cavaradossi und dem machtbewussten Polizeichef. Die musikalische Leitung übernahm Grigor Palikarov, der das Ensemble der Sofia Opera durch Puccinis dichte, stark vom Orchester geprägte Partitur führte.
Die Aufführung war als konzertante Produktion unter freiem Himmel angelegt und setzte weniger auf eine historisch ausstaffierte Rekonstruktion des Roms von 1800 als auf die Stimmen, das Orchester und die Wirkung des nächtlichen Platzes vor der Kathedrale. Nach dem Schluss der Oper blieb das Publikum in Sofia stehen: Mehrere Tausend Zuhörerinnen und Zuhörer erhoben sich zu stehenden Ovationen und spendeten acht Minuten lang Applaus.
Damit erhielt die zweite Festivalnacht von „Gala in Sofia“ ihre bislang deutlichste Resonanz – nicht nur durch die Namen der beiden Hauptdarsteller, sondern auch durch die unmittelbare Reaktion des Publikums. Die Veranstaltung markierte zugleich die erste gemeinsame „Tosca“ von Yoncheva und Kaufmann vor bulgarischem Publikum und stellte Puccinis dramatische Partitur in den Mittelpunkt eines der sichtbarsten Kulturorte der bulgarischen Hauptstadt.
Am 27. August wird „Gala in Sofia“ mit „Blue Night“ fortgesetzt. Sonya Yoncheva tritt dabei gemeinsam mit dem Geiger David Garrett auf; auf dem Programm stehen Werke von Paganini, Bizet und Händel ebenso wie moderne Titel und bulgarische Folklore. Die Opernnacht mit „Tosca“ bleibt jedoch der Abend, an dem zwei große Puccini-Stimmen vor der Alexander-Newski-Kathedrale aufeinandertrafen und das Publikum die nächtliche Bühne erst nach acht Minuten Applaus freigab.