8. Oktober 2026
Nadine Sierra als Violetta an der Mailänder Scala
Giuseppe Verdis „La traviata“ verbindet an der Mailänder Scala eine prominente Besetzung mit einem traditionsreichen Bühnenbild. Nadine Sierra singt Violetta in Liliana Cavanis Inszenierung, die 1990 an der Scala entstand. Michele Gamba dirigiert die Wiederaufnahme.

Mainz/Mailand - An der Mailänder Scala gehört Giuseppe Verdis La traviata zu jenen Werken, an denen sich die Geschichte des Hauses besonders deutlich ablesen lässt. Im Herbst 2026 kehrt die Oper in der legendären Inszenierung von Liliana Cavani auf den Spielplan zurück. Nadine Sierra singt die Violetta in sieben der zwölf Vorstellungen zwischen dem 19. September und 15. Oktober; am Pult steht Michele Gamba.
Cavanis Inszenierung entstand 1990 auf Initiative Riccardo Mutis und setzte seinerzeit auf ein junges Sängerensemble. Dante Ferretti entwarf das Bühnenbild, Gabriella Pescucci die Kostüme. Mehr als drei Jahrzehnte später ist die Produktion weiterhin Teil des Scala-Repertoires und verbindet damit zwei Generationen der Operngeschichte.
Ihr historischer Bezug reicht noch weiter zurück: Die Scala erinnert an die legendäre Traviata von 1955 mit Carlo Maria Giulini, Luchino Visconti und Maria Callas. Cavanis späterer Zugriff entstand bewusst im Bewusstsein dieser Aufführungsgeschichte und setzte ihr eine eigene, aufwendige Bildsprache entgegen.
Im Zentrum steht Nadine Sierra als Violetta Valéry. Die amerikanische Sopranistin trifft in den entsprechenden Vorstellungen auf Piero Pretti als Alfredo Germont und Boris Pinkhasovich als Giorgio Germont. In weiteren Vorstellungen übernehmen Iván Ayón Rivas und Amartuvshin Enkhbat die männlichen Partien; Francesca Pia Vitale singt Violetta an fünf Terminen.
Violettas Geschichte führt von der gesellschaftlichen Welt der Pariser Kurtisane über ihre Liebe zu Alfredo bis zum Verzicht und zum Tod. Verdi verbindet dabei virtuose Brillanz mit zunehmend kantabler und dramatisch verdichteter Musik. Gerade diese Entwicklung macht die Partie zu einer der zentralen Sopranrollen des italienischen Repertoires.
Michele Gamba übernimmt die musikalische Leitung. Der Dirigent hat an der Scala in den vergangenen Jahren unter anderem Rigoletto, Médée, Turandot und Tosca geleitet. Nun trifft seine musikalische Arbeit auf eine Inszenierung, die seit 1990 zum visuellen Gedächtnis des Hauses gehört.
Besonders öffentlich wird der Abschluss der Serie: Die Vorstellung am 15. Oktober wird von Rai 5 und RaiPlay übertragen. Damit verbindet die Scala eine historische Traviata-Produktion mit einer heutigen Violetta und macht den letzten Abend zugleich zu einem medialen Ereignis.