2. September 2026
Sydney feiert Joan Sutherland: Ein Jahrhundert „La Stupenda“
Zum 100. Geburtstag von Joan Sutherland erinnerte Opera Australia im Sydney Opera House an eine Sängerin, die die australische Operngeschichte international geprägt hat. Die Gala „La Stupenda“ verband Ausschnitte aus ihren großen Rollen mit prominenten australischen Stimmen – ausgerechnet in dem nach ihr benannten Theater.

Mainz/Sydney - Sydney hat den 100. Geburtstag von Joan Sutherland mit einer Hommage an einem symbolträchtigen Ort begangen: Im Joan Sutherland Theatre des Sydney Opera House erinnerte Opera Australia am 20. und 22. August 2026 mit „La Stupenda: A Joan Sutherland Celebration“ an die große australische Sopranistin. Sutherland, 1926 in Sydney geboren, gehörte zu den prägenden dramatischen Koloratursopranen des 20. Jahrhunderts und spielte eine zentrale Rolle bei der internationalen Renaissance des Belcanto. Besonders mit den Opern von Donizetti und Bellini, aber auch mit einem weit darüber hinausreichenden Repertoire, wurde sie zu einer der bedeutendsten Sängerinnen ihrer Generation.
Der Ort gab dem Jubiläum eine besondere historische Dimension. Das Operntheater des Sydney Opera House, in dem Sutherland bereits 1974 erstmals aufgetreten war, trägt seit 2012 ihren Namen. Mit dem Haus war ihre Karriere eng verbunden. Opera Australia erinnert unter anderem an ihre Australien-Tournee von 1965 mit ihrem Ehemann und Dirigenten Richard Bonynge und dem damals noch jungen Luciano Pavarotti. Ihren Abschied vom Sydney Opera House gab Sutherland am 2. Oktober 1990 mit Meyerbeers Les Huguenots, wiederum unter Bonynges Leitung.
Musikalisch konzentrierte sich die Gala auf das Repertoire, mit dem Sutherland ihre internationale Karriere prägte. Auf dem Programm standen unter anderem Rossinis Semiramide, Bellinis Norma, Donizettis Lucia di Lammermoor und Lucrezia Borgia sowie Auszüge aus Delibes’ Lakmé, Offenbachs Les Contes d’Hoffmann, Mozarts Idomeneo, Cileas Adriana Lecouvreur und Massenets Thaïs. Hinzu kam ein Finale aus Mozarts Don Giovanni. Ein Video- und Fotobeitrag erinnerte zusätzlich an Sutherlands Bühnenlaufbahn.
Im Zentrum der Aufführung stand die australische Sopranistin Jessica Pratt. Sie führt eine direkte Linie zu Sutherland fort: Wie ihre berühmte Vorgängerin sang Pratt die Lucia di Lammermoor an der Mailänder Scala und ist damit nach Nellie Melba und Joan Sutherland die dritte Australierin, die diese Partie dort übernommen hat. In Sydney widmete sie sich nun einem Repertoire, das eng mit Sutherlands legendärer Belcanto-Karriere verbunden ist.
An ihrer Seite trat der australisch-chinesische Tenor Kang Wang auf. Zum Ensemble gehörten außerdem Caitlin Hulcup und Dalibor Jenis sowie weitere Sängerinnen und Sänger von Opera Australia. Das musikalische Fundament bildeten das Opera Australia Orchestra und der Opera Australia Chorus. Am Pult stand Speranza Scappucci, die mit den Aufführungen ihr Debüt bei Opera Australia gab.
Die italienische Dirigentin ist seit der Spielzeit 2025/26 Principal Guest Conductor des Royal Opera House in London. An der Mailänder Scala war sie die erste Italienerin, die sowohl eine Opernproduktion als auch das Orchester der Filarmonica della Scala dirigierte. Mit ihrem Sydney-Debüt verbindet sich damit auch eine weitere internationale Perspektive auf das australische Jubiläumsprojekt.
Der Titel „La Stupenda“ verweist auf den Beinamen, unter dem Sutherland weltweit bekannt wurde. Die Gala setzte dabei nicht allein auf Erinnerung, sondern auf die Weitergabe ihres Repertoires an eine jüngere Generation von Künstlerinnen und Künstlern. Gerade darin lag der besondere Akzent des Jubiläums: Sutherlands eigene Stimme war nicht mehr zu hören, doch die Partien, mit denen sie Operngeschichte schrieb, kehrten in das nach ihr benannte Theater zurück.
Ein Jahrhundert nach Joan Sutherlands Geburt wurde ihr Vermächtnis in Sydney damit nicht als museale Erinnerung präsentiert, sondern über jene Musik und jene Rollen lebendig gehalten, die ihren Namen bis heute mit dem internationalen Opernleben Australiens verbinden. Dass eine australische Sopranistin wie Jessica Pratt dabei Sutherlands berühmtes Belcanto-Repertoire übernimmt, während mit Kang Wang und weiteren australischen Künstlern eine neue Generation auf der Bühne steht, macht die Hommage zugleich zu einem Blick auf die Gegenwart und Zukunft der australischen Oper.