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29. September 2026

Verdis „Aida“ in Barcelona: Piotr Beczała als Radamès im Liceu

Piotr Beczała übernimmt im Oktober im Gran Teatre del Liceu die Rolle des Radamès in Verdis „Aida“. Die Produktion von Shirin Neshat eröffnet die Saison 2026/27 und verbindet das ägyptische Drama mit Themen wie Krieg, Identität, Macht und Exil.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Piotr Beczała
Piotr Beczała | © Anja Frers

Mainz/Barcelona - Im Gran Teatre del Liceu gehört der Oktober Giuseppe Verdis Aida – und damit auch Piotr Beczała. Der polnische Tenor singt Radamès am 2., 6., 9., 13. und 15. Oktober in Barcelona. Die Produktion von Shirin Neshat eröffnet die Saison 2026/27; Antonello Manacorda und Josep Gil teilen sich die musikalische Leitung.

Radamès steht in Verdis Oper zwischen militärischem Auftrag und persönlicher Bindung. Als ägyptischer Feldherr soll er gegen die Äthiopier ziehen, liebt jedoch Aida, die als Sklavin am Hof lebt und sich als Tochter des äthiopischen Königs Amonasro erweist. Schon seine große Arie „Celeste Aida“ führt in diesen Konflikt ein: Öffentlicher Rang und private Entscheidung geraten zunehmend gegeneinander.

Diesen Gegensatz rückt Shirin Neshat ins Zentrum ihrer Inszenierung. Die iranische Künstlerin löst sich von der traditionellen monumentalen Ägypten-Kulisse und richtet den Blick auf Krieg, politische Macht, religiösen Fanatismus und die Beziehungen der drei Hauptfiguren Aida, Radamès und Amneris. Die Produktion entstand ursprünglich für die Salzburger Festspiele und wurde anschließend an der Pariser Oper gezeigt; in Barcelona ist sie nun zum Saisonauftakt zu sehen.

Für Beczała gehört Radamès zu den Partien, die lyrische Linie und dramatische Kraft eng verbinden. Auf „Celeste Aida“ folgen große Duette und Ensembles, in denen sich der private Konflikt zunehmend mit der politischen Handlung verschränkt. Im letzten Akt zieht sich das zuvor monumentale Kriegsgeschehen schließlich auf die Begegnung zwischen Radamès und Aida zusammen.

An Beczałas fünf Abenden übernimmt Anna Pirozzi die Titelpartie. Sie singt Aida am 2., 6., 9., 13. und 15. Oktober; Anna Netrebko ist am 25. und 28. September sowie am 1. und 4. Oktober zu erleben. Weitere Radamès-Vorstellungen übernehmen Ivan Gyngazov und Arsen Soghomonyan. Ekaterina Semenchuk, Ksenia Dudnikova und Fiorenza Cedolins teilen sich die Amneris-Partie.

Auch bei Amonasro wechselt die Besetzung: Artur Ruciński singt die Partie bis 7. Oktober, Ludovic Tézier am 27. September sowie 2. und 6. Oktober, Amartuvshin Enkhbat am 9., 13. und 15. Oktober. Insgesamt umfasst die Liceu-Serie 17 Vorstellungen vom 23. September bis 15. Oktober.

Mit Aida eröffnet das Liceu die neue Spielzeit zugleich mit einer seiner meistgespielten Opern. Neshats Inszenierung stellt dabei die großen Chorszenen und monumentalen Tableaus einer Geschichte gegenüber, die sich immer stärker auf die Entscheidungen einzelner Menschen konzentriert. In Beczałas Radamès wird dieser Gegensatz besonders deutlich: Der Feldherr, der über den Ausgang eines Krieges entscheiden soll, verliert am Ende jede Macht über sein eigenes Schicksal.