13. September 2026
Wagners „Götterdämmerung“ in Paris: Kent Nagano beschließt den Dresdner Ring
Im Théâtre des Champs-Élysées erklingt heute Richard Wagners Götterdämmerung in einer historisch informierten Aufführung mit Kent Nagano, dem Dresdner Festspielorchester und Concerto Köln. Die konzertante Produktion bildet den Abschluss des seit 2023 entwickelten Dresdner Wagner-Projekts.

Mainz/Paris - Richard Wagners Götterdämmerung führt am 13. September im Théâtre des Champs-Élysées in Paris zum Abschluss der Ring-Tetralogie im Rahmen der „Wagner Cycles“ der Dresdner Musikfestspiele. Kent Nagano dirigiert das Dresdner Festspielorchester und Concerto Köln, dazu treten der Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie und der Chor der KlangVerwaltung auf. In den Hauptpartien sind Young Woo Kim als Siegfried, Åsa Jäger als Brünnhilde, Patrick Zielke als Hagen, Johannes Kammler als Gunther und Sophia Brommer als Gutrune zu erleben. Die konzertante Aufführung beginnt um 17 Uhr.
Der Pariser Abend bildet den Abschluss eines seit 2023 verfolgten Projekts der Dresdner Musikfestspiele. Unter dem Titel „The Wagner Cycles“ wird jedes Jahr ein Teil von Wagners Ring mit historisch informierten Aufführungsmitteln erarbeitet. Dresdner Festspielorchester und Concerto Köln arbeiten dabei mit einem wissenschaftlichen Team zusammen, um Instrumentarium, Spielweise und Klangvorstellungen des 19. Jahrhunderts stärker in die musikalische Praxis einzubeziehen. Nach Rheingold, Walküre und Siegfried steht nun die Götterdämmerung am Ende der Tetralogie.
Gerade bei Wagner verändert diese Perspektive die Wahrnehmung des Orchesterklangs. Die historisch informierte Besetzung zielt auf größere Transparenz und eine deutlichere Wahrnehmbarkeit der einzelnen Instrumentalgruppen. Dadurch können auch Wagners Leitmotive und ihre Verflechtungen innerhalb des Orchesters stärker hervortreten. Die Dresdner Musikfestspiele sprechen von einem neuen, transparenteren Orchesterklang und einer stärkeren Konzentration auf die sprachliche Gestaltung der Sänger.
Die Götterdämmerung nimmt innerhalb des Rings zudem eine Sonderstellung ein: Sie ist der einzige Teil der Tetralogie mit einer großen Chorbesetzung. Für das Projekt wurde deshalb der Dresdner Festspielchor der Richard-Wagner-Akademie eigens gegründet. Gemeinsam mit dem Chor der KlangVerwaltung erweitert er die Klangdimension des Finales, in dem nach Siegfrieds Tod die Konflikte um Ring, Macht und Herrschaft in den Untergang der alten Weltordnung münden.
Auch Wagners Entstehungsgeschichte gehört zum Hintergrund des Projekts. Der Ring entstand über einen Zeitraum von rund 25 Jahren und steht in engem Zusammenhang mit Wagners politischen und ästhetischen Vorstellungen des 19. Jahrhunderts. Die Dresdner Musikfestspiele verbinden deshalb die musikalische Rekonstruktion nicht nur mit historischen Instrumenten, sondern auch mit einer wissenschaftlichen Auseinandersetzung mit den Aufführungsbedingungen und dem Klangideal der Wagner-Zeit.
Mit der Pariser Götterdämmerung endet damit nicht nur Wagners Tetralogie, sondern auch ein mehrjähriges Dresdner Aufführungs- und Forschungsprojekt. Seit 2023 hat es den Ring aus der Perspektive der historisch informierten Aufführungspraxis neu beleuchtet – mit dem Ziel, den monumentalen Wagner-Klang nicht weiter zu vergrößern, sondern seine Strukturen und Farben hörbarer zu machen.