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2. Oktober 2026

Zwei Rollendebüts an einem Abend: Asmik Grigorian in Wien

Asmik Grigorian übernimmt an der Wiener Staatsoper gleich zwei neue Partien: Bianca in Alexander von Zemlinskys „Eine florentinische Tragödie“ und Judith in Béla Bartóks „Herzog Blaubarts Burg“. Die Premiere des Doppelabends findet am 3. Oktober statt.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Asmik Grigorian
Asmik Grigorian | © Gasiunas

Mainz/Wien - Gleich zwei Rollendebüts stehen für Asmik Grigorian am 3. Oktober an der Wiener Staatsoper auf dem Programm. In der Premiere von Alexander von Zemlinskys Eine florentinische Tragödie singt sie Bianca, anschließend übernimmt sie Judith in Béla Bartóks Herzog Blaubarts Burg. Alain Altinoglu dirigiert, Vasily Barkhatov inszeniert den Doppelabend.

In Zemlinskys 1917 uraufgeführter Florentinischer Tragödie gerät Bianca zwischen ihren Ehemann Simone und den Florentiner Prinzen Guido Bardi. Aus der Begegnung entwickelt sich ein Dreiecksdrama, in dem Misstrauen, Begehren und Gewalt immer stärker eskalieren. Grigorian steht dabei Christopher Maltman als Simone und Dmitry Golovnin als Guido Bardi gegenüber. Die Partie der Bianca verlangt innerhalb des kurzen Einakters einen mehrfachen Wechsel zwischen äußerer Beherrschung und zunehmender Eskalation.

Unmittelbar danach wechselt Grigorian in Bartóks Herzog Blaubarts Burg von der Ehefrau zur neugierigen und entschlossenen Judith. Sie öffnet nacheinander die Türen von Blaubarts Burg und dringt damit immer tiefer in die Vergangenheit und das verborgene Leben ihres Gegenübers ein. Florian Boesch übernimmt die Titelpartie. Bartóks einzige Oper entwickelt ihren dramatischen Sog vor allem aus der Verbindung von Orchesterfarben, psychologischer Spannung und Judiths beharrlichem Fragen.

Die unmittelbare Verbindung beider Werke gibt Grigorians Doppeldebüt seine besondere Prägung. In beiden Opern steht eine Frau einem männlichen Gegenüber gegenüber, doch die Konflikte sind unterschiedlich angelegt: Zemlinsky konzentriert sich auf ein tödliches Dreiecksverhältnis, Bartók auf die schrittweise Enthüllung einer verschlossenen Beziehung. Grigorian gestaltet damit an einem Abend zwei sehr unterschiedliche Frauenfiguren des frühen 20. Jahrhunderts.

Barkhatov versteht den Doppelabend als Geschichte eines Paares, dessen Beziehung in beiden Werken aus unterschiedlichen Perspektiven beleuchtet wird. Die Produktion verbindet Eine florentinische Tragödie und Herzog Blaubarts Burg damit nicht nur formal, sondern auch über die Frage, was Menschen voneinander wissen können – und was geschieht, wenn verborgene Wahrheiten ans Licht kommen. Bühne und Räume gestaltet Christian Schmidt, die Kostüme stammen von Stefanie Seitz.

Nach der Premiere wird der Doppelabend am 6., 8., 10. und 12. Oktober weitere viermal mit Grigorian in beiden Rollen gezeigt. Die Wiener Staatsoper setzt damit zwei psychologisch zugespitzte Werke in unmittelbare Beziehung und stellt zugleich Grigorians Gestaltungskraft in zwei unterschiedlichen musikalischen Sprachen des frühen 20. Jahrhunderts ins Zentrum.