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8. Juli 2026

Metropolitan Opera 2026/27: Verdi, Mazzoli und ein Jubiläum am Lincoln Center

Die Metropolitan Opera in New York plant ihre Saison 2026/27 mit fünf Neuproduktionen, zwölf Wiederaufnahmen und 193 Vorstellungen. Den Auftakt macht Verdis Macbeth mit Lise Davidsen; daneben setzt die Met auf die Uraufführung von Missy Mazzolis Lincoln in the Bardo, neue Produktionen von Jenůfa und La Fanciulla del West, die Met-Premiere von Silent Night und eine Gala zum 60-jährigen Bestehen des Hauses am Lincoln Center.

Von Albino Salvatore Cipolla, M.A.

Lincoln Center in New York
Lincoln Center in New York | © Metropolitan Opera

Die Metropolitan Opera in New York hat ihren Spielplan für die Saison 2026/27 vorgestellt. Auf dem Programm stehen fünf Neuproduktionen, zwölf Wiederaufnahmen und insgesamt 193 Vorstellungen. Mit 17 Produktionen fällt die Saison deutlich konzentrierter aus als frühere Spielzeiten des Hauses. Gerade dadurch werden die programmatischen Linien gut sichtbar: italienisches Kernrepertoire, Janáček, zeitgenössisches Musiktheater, große Sängerpartien und das Jubiläum des Opernhauses am Lincoln Center.

Eröffnet wird die Spielzeit am 22. September 2026 mit einer neuen Produktion von Giuseppe Verdis Macbeth. Im Zentrum steht Lise Davidsen als Lady Macbeth, eine Partie, die grelle Attacke, dunkle Mittellage und kontrollierte vokale Härte verlangt. Quinn Kelsey singt Macbeth, Yannick Nézet-Séguin dirigiert, Louisa Proske gibt mit der Regie ihr Met-Debüt. Verdis Shakespeare-Oper ist damit ein Saisonauftakt, in dem politischer Mord, Ehe-Dynamik und extreme stimmliche Anforderungen unmittelbar aufeinandertreffen.

Ein zentraler neuer Akzent ist die Uraufführung von Missy Mazzolis Lincoln in the Bardo am 19. Oktober 2026. Die Oper nach George Saunders’ Roman, mit einem Libretto von Royce Vavrek, führt Abraham Lincoln in einen Zustand zwischen Tod, Trauer und Erinnerung. Peter Mattei singt Lincoln, Christine Goerke und Anthony Roth Costanzo gehören ebenfalls zur Besetzung; Yannick Nézet-Séguin übernimmt auch hier das Dirigat, Lileana Blain-Cruz die Regie. Für die Met ist diese Uraufführung ein deutliches Zeichen: Zeitgenössisches Musiktheater erscheint nicht im Nebenformat, sondern als große Neuproduktion im regulären Spielplan.

Mit Leoš Janáčeks Jenůfa folgt ab 16. November 2026 eine weitere Neuproduktion. Asmik Grigorian singt die Titelpartie, Nina Stemme übernimmt die Küsterin, Claus Guth inszeniert, Tomáš Hanus steht erstmals am Pult der Met. Janáčeks Musik verdichtet Dorfmilieu, religiösen Druck und familiäre Schuld in kurzen, scharf geschnittenen Szenen. Die Produktion ist besonders interessant, weil zwei starke szenische und vokale Zentren aufeinandertreffen: Jenůfas verletzliche Linie und die kantige Autorität der Küsterin.

Zum Jahreswechsel bringt die Met Puccinis La Fanciulla del West in einer neuen Produktion heraus. Die Premiere am 31. Dezember 2026 ist zugleich der erste neue Zugriff des Hauses auf dieses Werk seit mehr als drei Jahrzehnten. Sondra Radvanovsky gibt ihr Rollendebüt als Minnie, SeokJong Baek singt Dick Johnson, Christopher Maltman ist Jack Rance; Keri-Lynn Wilson dirigiert, Richard Jones inszeniert. Puccinis Oper verlegt das italienische Melodram in ein kalifornisches Goldgräbermilieu. Musikalisch steht weniger der große Einzelmoment als ein dicht geführtes, orchestrales Bühnenerzählen im Vordergrund.

Als weitere Met-Premiere kommt am 8. März 2027 Kevin Puts’ Silent Night auf die Bühne. Die mit dem Pulitzer Prize ausgezeichnete Oper mit einem Libretto von Mark Campbell bezieht sich auf den Weihnachtsfrieden von 1914, als Soldaten im Ersten Weltkrieg zeitweise die Schützengräben verließen. Dalia Stasevska gibt ihr Dirigierdebüt an der Met; Elza van den Heever und Ben Bliss führen die Besetzung an, James Robinson inszeniert. Das Werk verbindet Kriegsraum, Mehrsprachigkeit und Ensemblesituationen zu einem Abend, in dem historische Erinnerung über Stimmen, Marschrhythmen und fragile Chor-Momente erzählt wird.

Im Repertoire setzt die Met auf Titel, die das Profil des Hauses als Sänger- und Orchesterhaus schärfen. Puccinis La Bohème und Tosca, Verdis Aida und Otello, Strauss’ Der Rosenkavalier, Wagners Parsifal, Massenets Manon, Cherubinis Medea, Donizettis Maria Stuarda, Mozarts Così fan tutte und The Magic Flute sowie Saint-Saëns’ Samson et Dalila bilden den Kern der Wiederaufnahmen. Auffällig ist die starke Präsenz von Werken, in denen einzelne Rollen ganze Abende tragen: Tosca, Desdemona, Kundry, Manon, Medea oder Maria Stuarda stehen für ein Repertoire, das auf vokale Persönlichkeit und dramatische Zuspitzung angewiesen ist.

Ein eigener Anlass der Spielzeit ist das 60-jährige Jubiläum der Met am Lincoln Center. Am 25. Mai 2027 ist eine Gala mit szenischen Ausschnitten aus mehr als 30 Opern geplant. Für ein Haus, dessen Saal, Foyer und große Bühnenmaschinerie selbst Teil der Operngeschichte New Yorks geworden sind, bündelt dieser Abend nicht nur Rückblick, sondern auch die Frage, wie ein großes Repertoirehaus zwischen historischer Selbstvergewisserung, neuen Werken und internationaler Sichtbarkeit auftritt.

Auch die Übertragungsreihe The Met: Live in HD bleibt Teil des internationalen Auftritts. Acht Vorstellungen der Saison 2026/27 sollen weltweit in Kinos gezeigt werden: Così fan tutte, Macbeth, Samson et Dalila, La Fanciulla del West, Silent Night, Manon, Otello und Parsifal. Für Redaktionen außerhalb der USA ist das relevant, weil die Met damit nicht nur ein New Yorker Spielplan bleibt, sondern regelmäßig in europäischen Kinoprogrammen präsent ist.

Der neue Spielplan zeigt die Metropolitan Opera in einer Phase der Konzentration: weniger breit gestreut, aber mit klar erkennbaren Achsen zwischen Verdi, Puccini, Janáček, zeitgenössischem Musiktheater und groß besetztem Repertoire. Ihr Profil gewinnt die Saison dort, wo neue Arbeiten, große Sängerpartien und die Geschichte des Hauses am Lincoln Center konkret ineinandergreifen – bei Verdis Machtpaar in Macbeth, in Mazzolis Oper über Lincoln, Trauer und Stimmen, in Janáčeks Dorfdrama und im Jubiläumssaal eines Opernhauses, das seine Öffentlichkeit längst auch über den Kinosaal organisiert.


Weitere Informationen unter www.opernreisefuehrer.de/metropolitan-opera oder telefonisch unter +49 (0) 61 31 / 635 70 23.

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