12. Oktober 2026
Abigaille in Bonn – Anna Netrebko debütiert an der Oper
Am 6. November 2026 steht Anna Netrebko erstmals auf der Bühne der Oper Bonn. In Giuseppe Verdis Nabucco übernimmt sie die Partie der Abigaille, einer machtbesessenen Königstochter zwischen Herrschaftsanspruch, Eifersucht und familiärer Zurückweisung. Das Gastspiel ist bereits ausverkauft. Im Januar folgt mit Mimì in Puccinis La Bohème eine zweite, ganz anders gezeichnete Frauenfigur.

Mainz/Bonn - Anna Netrebko kommt nach Bonn – mit einer der anspruchsvollsten dramatischen Sopranpartien des italienischen Repertoires. Am 6. November 2026 singt sie im Bonner Opernhaus erstmals Abigaille in Giuseppe Verdis Nabucco. Das Gastspiel gehört zu einer Neuproduktion des Theaters Bonn, die am 11. Oktober Premiere hatte. Der Andrang war groß: Für Netrebkos Vorstellung waren nach Angaben des Theaters binnen 48 Stunden keine Karten mehr verfügbar; zeitweise brach die Website unter der Nachfrage zusammen.
Abigaille ist weit mehr als die Gegenspielerin des Titelhelden. Als vermeintliche Tochter des babylonischen Königs Nabucco kämpft sie um Macht und Anerkennung. Als sie erfährt, dass sie nicht königlicher Abstammung ist, steigert sich ihr Ringen um den Thron zur zerstörerischen Obsession. Verdi verlangt eine Stimme, die dramatische Kraft mit Beweglichkeit verbindet und abrupte Wechsel zwischen entschlossener Attacke, verletztem Stolz und innerer Erschütterung gestalten kann. Der Konflikt der Figur spiegelt sich unmittelbar in der vokalen Linie.
Die Inszenierung von Roland Schwab stellt Gefangenschaft und Macht ins Zentrum. Piero Vinciguerra entwarf das Bühnenbild, Renée Listerdal die Kostüme. Will Humburg dirigiert das Beethoven Orchester Bonn. Neben Netrebko stehen Aluda Todua als Nabucco, Pavel Kudinov als Zaccaria und Matteo Roma als Ismaele auf der Bühne. Auch der Chor spielt eine zentrale Rolle: In „Va, pensiero“ wird die Sehnsucht der gefangenen Hebräer nach ihrer Heimat zum musikalischen Gegenpol zur Machtpolitik der Herrschenden.
Netrebkos Bonner Gastspiel zeigt sie in einer Phase, in der dramatische italienische Rollen ihr Repertoire prägen. Am 10. Januar 2027 kehrt sie als Mimì in Puccinis La Bohème an das Haus zurück. Die beiden Partien könnten kaum unterschiedlicher sein: Während Abigaille von Ehrgeiz, Machtwillen und inneren Widersprüchen bestimmt wird, steht bei Mimì eine junge Frau im Mittelpunkt, deren Liebe im prekären Alltag einer Künstlergemeinschaft von Armut und Krankheit überschattet wird.
Mit den beiden Gastspielen begegnen sich in Bonn zwei unterschiedliche Welten des italienischen Musiktheaters: Verdis politisch aufgeladenes Frühwerk und Puccinis intimes Musikdrama. Netrebkos Auftritt als Abigaille ist dabei nicht als isolierter Galaabend angelegt, sondern Teil einer Ensembleproduktion, in der ihre dramatische Präsenz auf Verdis Chorwelt, Schwabs Inszenierung und das Beethoven Orchester trifft.