12. Oktober 2026
Ein letzter Tanz als Manon – Dorothée Gilbert verabschiedet sich von der Pariser Oper
Am 15. Oktober tanzt Dorothée Gilbert zum letzten Mal auf der Bühne des Palais Garnier. Für ihren Abschied hat die Étoile des Balletts Kenneth MacMillans L’Histoire de Manon gewählt – ein tragisches Handlungsballett über Begehren, gesellschaftlichen Aufstieg und den Preis eines Lebens zwischen Luxus und Abhängigkeit. An ihrer Seite steht Hugo Marchand als Des Grieux.

Mainz/Paris - Fast zwei Jahrzehnte lang gehörte Dorothée Gilbert zu den prägenden Tänzerinnen des Balletts der Pariser Oper. Am 15. Oktober 2026 verabschiedet sich die 43-Jährige mit Kenneth MacMillans L’Histoire de Manon im Palais Garnier von der Bühne. Dort wurde sie im November 2007 zur Étoile ernannt. Die Vorstellung wird live über Paris Opera Play übertragen; ab dem Folgetag ist die Aufzeichnung 30 Tage lang abrufbar.
Dass Gilbert für ihren Abschied die Rolle der Manon gewählt hat, lenkt den Blick auf eine Figur, deren Geschichte weit über klassische Ballettschönheit hinausgeht. MacMillan entwickelte aus dem Roman des Abbé Prévost ein dreiteiliges Handlungsballett, das 1974 am Royal Opera House in London uraufgeführt wurde. Manon träumt von einem luxuriösen Leben und gerät zwischen ihre Liebe zu Des Grieux und die Verlockungen von Geld und gesellschaftlichem Aufstieg. Die Choreografie erzählt diesen Konflikt nicht allein durch große Pas de deux, sondern auch durch Gesten, Blicke und körperliche Nähe. Das Werk gehört seit 1990 zum Repertoire der Pariser Oper.
Als Des Grieux steht Hugo Marchand an Gilberts Seite. Beide tanzen die Rollen seit 2015 gemeinsam. Ihre langjährige Bühnenpartnerschaft verleiht dem Abschied zusätzliche Kontinuität: Im Zentrum des Balletts steht eine Liebe, die an den Entscheidungen der beiden Figuren und an den Verlockungen einer anderen Welt zerbricht.
Gilberts Laufbahn umfasst zentrale Rollen des klassischen Repertoires, darunter Giselle, La Bayadère und Don Quichotte. Ihre Ernennung zur Étoile 2007 bestätigte ihre herausragende Stellung innerhalb des Pariser Balletts. Mit dem Abschied endet nun eine lange Bühnenkarriere an jener Institution, die sie künstlerisch geprägt hat.
MacMillans Ballett erzählt von einer Frau, deren Sehnsucht nach einem besseren Leben in Verlust und Ausweglosigkeit mündet. Wenn Gilbert am 15. Oktober als Manon auf der Bühne des Palais Garnier steht, verbindet sich ihr persönlicher Abschied damit mit einer tragischen Figur, deren Geschichte zwischen Liebe, Verführung und dem unerreichbaren Versprechen eines anderen Lebens angesiedelt ist.