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Christian Lacroix inszeniert Offenbach in Monte-Carlo: La Vie parisienne erstmals vollständig
Christian Lacroix gibt sein Opernregiedebüt mit Jacques Offenbachs La Vie parisienne an der Opéra de Monte-Carlo. Die Produktion zeigt die fünfaktige Originalfassung von 1866, deren satirische Dialoge und musikalische Nummern über Jahrzehnte verändert und gekürzt wurden. Gianluca Capuano dirigiert, eine französischsprachige Besetzung führt durch Offenbachs Paris zwischen Verführung, Maskerade und gesellschaftlicher Eitelkeit.
Sherlock4000Mainz/Monte-Carlo - Ein falscher Reiseführer, ein erfundener Hotelbetrieb und eine Gesellschaft, die sich lieber täuschen lässt, als auf ihre Vergnügungen zu verzichten: Jacques Offenbachs La Vie parisienne verwandelt das Paris des 19. Jahrhunderts in eine Bühne der Verwechslungen. An der Opéra de Monte-Carlo kommt das Werk im Dezember 2026 in seiner ursprünglichen, unzensierten fünfaktigen Fassung auf die Bühne. Christian Lacroix übernimmt erstmals die Regie einer Oper und gestaltet zugleich Bühnenbild und Kostüme. Gianluca Capuano dirigiert Les Musiciens du Prince – Monaco und den Chor der Opéra de Monte-Carlo.
Die Produktion greift auf die vollständige Fassung zurück, die am 31. Oktober 1866 im Pariser Théâtre du Palais-Royal uraufgeführt wurde. Schon kurz nach der Premiere veränderten Zensur und Umarbeitungen das Werk: Dialoge wurden gestrichen, Nummern umgestellt und satirische Passagen entschärft. In Monte-Carlo kehrt nun die ursprüngliche Gestalt zurück. Die musikalische Edition stammt vom Palazzetto Bru Zane; die Produktion ist eine Koproduktion mehrerer französischer und belgischer Opernhäuser.
Im Mittelpunkt stehen die beiden Pariser Lebemänner Gardefeu und Bobinet, die um die Gunst der Halbweltdame Métella konkurrieren. Als der Baron und die Baronne de Gondremarck in Paris eintreffen, wittert Gardefeu eine Gelegenheit. Er gibt sich als Fremdenführer aus und verwickelt das Ehepaar in fingierte Begegnungen. Bobinet organisiert unterdessen einen Ball, bei dem Dienstboten in die Rollen der vornehmen Gesellschaft schlüpfen. Doch die Täuschungen geraten außer Kontrolle: Die Baronne durchschaut die Intrigen und bringt die vermeintlich souveränen Strippenzieher in Bedrängnis.
Offenbachs Musik treibt die Komödie mit rasanten Ensembles, tänzerischen Rhythmen und prägnanter Charakterzeichnung voran. Die Handlung lebt vom Wechsel zwischen öffentlicher Rolle und privatem Begehren: Wer sich als vornehm ausgibt, wird für vornehm gehalten; wer die gesellschaftlichen Regeln kennt, kann sie für einen Abend umkehren. Hinter der frivolen Oberfläche verbirgt sich eine Satire auf die Aufstiegsambitionen, den Luxus und die käuflichen Vergnügungen des Zweiten Kaiserreichs.
Lacroix begegnet dieser Welt mit einer farbenreichen, bewusst überzeichneten Bildsprache. Die Ausstattung soll den Luxus und die Exzentrik der Figuren sichtbar machen, ohne Offenbachs Komödie auf eine bloße Gegenwartsparodie zu reduzieren. Der französische Modeschöpfer und Bühnenbildner stellt sich damit erstmals als Opernregisseur vor.
Die Besetzung vereint ein französischsprachiges Ensemble: Karina Gauvin singt die Baronne de Gondremarck, Marie-Andrée Bouchard-Lesieur die Métella. Eric Huchet übernimmt Gardefeu, Marc Mauillon Bobinet und Jean-François Lapointe den Baron. Alexandra Marcellier, Gloria Tronel und Sheva Tehoval ergänzen das Ensemble als Gabrielle, Pauline und Clara.
Die fünf Vorstellungen finden am 23., 26., 27., 29. und 31. Dezember 2026 in der Salle Garnier der Opéra de Monte-Carlo statt. Die Silvestervorstellung beginnt bereits um 18 Uhr.
Offenbachs Paris bleibt ein Ort, an dem jeder eine Rolle spielt und gesellschaftliche Ordnungen für einen Abend ins Wanken geraten. Mit der ungekürzten Fassung kehren nicht nur gestrichene Passagen zurück, sondern auch die satirische Schärfe einer Komödie, die ihre Figuren beim Erfinden ihrer eigenen Wirklichkeit beobachtet.


