8. Oktober 2026
Janáčeks „Jenůfa“ mit Asmik Grigorian an der Met
Asmik Grigorian übernimmt an der Metropolitan Opera die Titelrolle in Janáčeks „Jenůfa“. Die neue Produktion von Claus Guth bringt die litauische Sopranistin mit Nina Stemme als Küsterin und dem Dirigenten Tomáš Hanus zusammen, der sein Debüt an der Met gibt.
Mainz/New York - Mit Janáčeks Jenůfa bringt die Metropolitan Opera im November eine neue Produktion auf die Bühne, die mehrere Debüts und Wiederbegegnungen verbindet. Asmik Grigorian singt erstmals die Titelpartie an der Met, Claus Guth inszeniert, und Tomáš Hanus gibt sein Debüt am Pult des Hauses. Die sechs Vorstellungen finden vom 16. November bis 4. Dezember 2026 statt.
Im Zentrum steht Jenůfa, eine junge Frau in einem mährischen Dorf, deren Schwangerschaft außerhalb der Ehe sie dem Druck der Gemeinschaft aussetzt. Ihre Stiefmutter, die Küsterin, versucht schließlich, das Kind zu töten, um Jenůfa vor der sozialen Ächtung zu bewahren. Janáčeks Oper zeigt damit, wie gesellschaftliche Kontrolle in familiäre Gewalt umschlagen kann.
Claus Guth richtet seine Inszenierung psychologisch auf diese Abhängigkeiten. Die Produktion entstand für die Royal Opera Covent Garden und wird nun erstmals an der Met gezeigt. Im Mittelpunkt stehen Jenůfa und die Küsterin als zwei Frauen, deren Leben von den Erwartungen und Urteilen ihrer Umgebung bestimmt wird.
Grigorian trifft auf Nina Stemme als Küsterin. Allan Clayton singt Laca, Sean Panikkar Števa. Gerade diese Konstellation verschärft den Konflikt: Števa ist der Vater von Jenůfas Kind und verlässt sie, während Laca sie aus Eifersucht verletzt. Erst aus den Folgen dieser Entscheidungen entwickelt sich jene Möglichkeit von Vergebung, die Janáčeks Oper am Ende eröffnet.
Am Pult steht Tomáš Hanus, der sein Met-Debüt gibt. Der tschechische Dirigent ist eng mit dem Repertoire seines Landes verbunden und bringt damit eine besondere Nähe zu Janáčeks Musik mit. Die Partitur verbindet eine unmittelbar sprechende Vokallinie mit einem hoch beweglichen Orchester, das psychologische Spannungen und abrupte emotionale Umschläge aufnimmt.
Für Grigorian ist New York zugleich Schauplatz eines zweiten Debüts. Am 18. November gibt sie erstmals einen eigenen Liederabend an der Met. Gemeinsam mit dem Vater-Sohn-Duo Lukas und Petras Geniušas präsentiert sie Arien und Szenen von Dvořák, Puccini, Strauss und Verdi, darunter Ausschnitte aus Rusalka, Madama Butterfly, Manon Lescaut, Turandot, Salome, Don Carlos, Macbeth und Otello.
Mit Jenůfa verbindet sich damit eine für Grigorian zentrale Rolle mit Guths psychologischem Zugriff und Hanus’ Met-Debüt. Im Zentrum steht ein Drama, das seine Härte nicht aus spektakulären äußeren Ereignissen bezieht, sondern aus dem sozialen Druck, der Menschen zu Entscheidungen treibt, deren Folgen sie selbst kaum noch kontrollieren können.