24. September 2026
Mozarts „Zaide“: Frankfurt bringt ein Fragment zurück auf die Bühne
Mozarts unvollendetes Singspiel „Zaide“ kommt am 30. September im Bockenheimer Depot auf die Bühne. Regisseur David Hermann verbindet das Fragment mit Auszügen aus „Thamos, König in Ägypten“ und rückt damit eine Geschichte über Gefangenschaft, Liebe und Freiheit ins Zentrum. Die musikalische Leitung übernimmt George Petrou.

Mainz/Frankfurt - Ein Gefängnis, ein anonymes Machtsystem und zwei Menschen, die sich trotz ihrer Gefangenschaft ineinander verlieben: Mozarts „Zaide“ beginnt nicht mit höfischem Glanz, sondern mit einem Leben unter Zwang. Am 30. September bringt die Oper Frankfurt das unvollendete Singspiel im Bockenheimer Depot heraus. Karolina Bengtsson singt die Titelpartie, Michael Porter ist als Gomatz zu erleben, Peter Marsh als Soliman. George Petrou dirigiert das Frankfurter Opern- und Museumsorchester, David Hermann inszeniert.
„Zaide“ entstand 1779/80 nach einem Text von Johann Andreas Schachtner und blieb Fragment. Ouvertüre und Finale fehlen, ebenso größere Teile der gesprochenen Dialoge. Die offene Form macht die szenische Bearbeitung damit zu einem wesentlichen Bestandteil der Aufführung.
Hermann ergänzt das Werk um Auszüge aus Mozarts Schauspielmusik „Thamos, König in Ägypten“ von 1773. Dadurch entsteht ein musikalischer Rahmen, der die dunkleren Seiten des Stoffes hervorhebt: Gefangenschaft, Gewalt und die Frage nach persönlicher Freiheit. Zaide und Gomatz begegnen sich als Gefangene und versuchen, sich aus ihrer Lage zu befreien.
Zugleich steht „Zaide“ an einem Wendepunkt in Mozarts Leben und Schaffen. Das Singspiel entstand zwei Jahre vor „Die Entführung aus dem Serail“ und weist bereits auf die Verbindung von gesprochenem Theater und Gesang voraus, die Mozart dort weiterentwickelte. Die Oper Frankfurt versteht das Fragment zudem als Ausdruck eines persönlichen Emanzipationsprozesses: Mozart löste sich zunehmend von seiner Bindung an Salzburg und seinem bisherigen Dienstverhältnis.
Auch Frankfurt ist mit der Geschichte des Werkes eng verbunden. Die erste Bühnenaufführung von „Zaide“ fand am 27. Januar 1866 im Frankfurter Opernhaus statt. Nun kehrt das Fragment in die Stadt zurück – mehr als 160 Jahre später allerdings in einer neuen szenischen Lesart und im Bockenheimer Depot.
Mit Bengtsson, Porter und Marsh konzentriert sich die Produktion auf die Figuren eines Werkes, dessen Leerstellen selbst Teil der dramatischen Aufgabe sind. Hermann nutzt Mozarts Fragment nicht als bloßes historisches Dokument, sondern als Ausgangspunkt für einen Abend über Abhängigkeit, Auflehnung und Freiheit. Gespielt wird ohne Pause; die Aufführung dauert rund eineinhalb Stunden.
Mozarts „Zaide“ erzählt damit in Frankfurt nicht nur von einem unvollendeten Singspiel. Gerade seine offenen Stellen werden zum Ausgangspunkt einer neuen Bühnenfassung, in der die Frage nach menschlicher Freiheit im Zentrum steht.