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26. September 2026

Carmen in Wien: Roberto Alagna als Don José

Georges Bizets „Carmen“ kehrt im Oktober an die Wiener Staatsoper zurück. Roberto Alagna singt Don José an der Seite von Stéphanie d’Oustrac als Carmen, Henrik Nánási dirigiert Calixto Bieitos Inszenierung.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Die Wiener Staatsoper
Die Wiener Staatsoper | © Fotolia TTstudio

Mainz/Wien - Georges Bizets Carmen gehört zu jenen Opern, deren musikalische Oberfläche sofort vertraut wirkt und deren Geschichte dennoch immer neue Fragen stellt. An der Wiener Staatsoper treffen vom 11. bis 17. Oktober 2026 Roberto Alagna als Don José und Stéphanie d’Oustrac als Carmen aufeinander. Henrik Nánási übernimmt die musikalische Leitung. Die drei Vorstellungen finden am 11., 14. und 17. Oktober statt.

Im Mittelpunkt steht Don José, der seine bisherige Ordnung verliert, sobald Carmen sich seiner Kontrolle entzieht. Aus dem Soldaten mit klarer sozialer Stellung wird ein Mann, der zunehmend von Begehren, Eifersucht und Gewalt bestimmt wird. Bizets Musik zeichnet diese Entwicklung nicht nur in den großen Arien nach: Zwischen Habanera, Seguidilla, Ensembleszenen und dramatischen Konfrontationen verändert sich auch die musikalische Spannung der Figuren.

Für Roberto Alagna verlangt die Partie des Don José eine Entwicklung vom lyrischen Beginn bis zur verzweifelten Eskalation des letzten Aktes. Stéphanie d’Oustrac stellt ihm eine Carmen gegenüber, deren Selbstbestimmung von Anfang an mit seinem Bedürfnis nach Bindung kollidiert. Philippe Sly singt Escamillo, Anna Bondarenko Micaëla. Zur weiteren Besetzung gehören Ileana Tonca, Jana Marković, Simonas Strazdas, Attila Mokus, Carlos Osuna, Jusung Gabriel Park und Yta Moreno.

Die Inszenierung von Calixto Bieito richtet den Blick auf die sozialen und persönlichen Härten des Stücks und löst sich vom folkloristischen Spanienbild. Bühne und Kostüme stammen von Alfons Flores und Mercè Paloma; die szenische Einstudierung übernimmt Joan Anton Rechi.

Auch musikalisch verlangt Bizets Oper eine genaue Balance. Die eingängigen Melodien behalten ihre unmittelbare Wirkung, während sich die dramatischen Szenen zunehmend verdichten. Unter Henrik Nánási treffen tänzerisch geprägte Rhythmen, scharf konturierte Orchesterszenen und weit gespannte Gesangslinien aufeinander.

Damit rückt die Wiener Carmen vor allem die Beziehung zwischen zwei Menschen ins Zentrum, deren Vorstellungen von Freiheit und Bindung unvereinbar werden. Carmen verweigert sich der Kontrolle, Don José kann diese Freiheit nicht akzeptieren. Aus diesem privaten Konflikt entwickelt Bizet eine Tragödie, deren musikalische Wirkung bis heute unmittelbar geblieben ist.