25. September 2026
La Scala öffnet ihr digitales Archiv: Mailands Operngeschichte wird online zugänglich
Das Teatro alla Scala baut sein digitales Angebot aus und macht damit nicht nur aktuelle Aufführungen, sondern auch Teile seiner eigenen Theatergeschichte online zugänglich. Über LaScalaTV stehen kostenlose Inhalte und Live-Streams bereit, während das digitale Archiv der hauseigenen Zeitschrift bis in frühere Jahrgänge zurückreicht. Aus dem Mailänder Opernhaus wird damit zunehmend auch ein digitales Gedächtnis der italienischen Oper.

Mainz/Mailand - Die Scala ist längst nicht mehr nur der Ort, an dem sich das Publikum an der Via Filodrammatici zu einer Opernvorstellung versammelt. Das Mailänder Opernhaus baut seine digitale Präsenz zu einem zweiten Zugang zur eigenen Geschichte aus. Auf LaScalaTV stehen kostenlose Videoangebote bereit, darunter Livestreams von Konzerten und Opern; zugleich ist die hauseigene Zeitschrift „La Scala – Rivista del Teatro“ digital zugänglich, ergänzt durch ein umfangreiches Archiv früherer Ausgaben.
Dabei geht es um mehr als die Übertragung einzelner Abende. Die Plattform verbindet aktuelle Produktionen mit Hintergrundmaterial, Gesprächen und historischen Dokumenten. Am 25. September 2026 etwa wird das Konzert des Orchesters und Chors der Scala unter Daniele Rustioni kostenlos auf LaScalaTV übertragen. Auf dem Programm stehen Brahms’ „Akademische Fest-Ouvertüre“ und „Schicksalslied“ sowie Schumanns Zweite Symphonie. Der Stream beginnt um 19:45 Uhr; anschließend bleibt die Aufnahme bis zum 2. Oktober auf Abruf verfügbar.
Damit erweitert die Scala ihre Arbeit über den eigentlichen Vorstellungsabend hinaus. Aufnahmen, Gespräche und redaktionelle Beiträge machen aus einzelnen Veranstaltungen dauerhaft zugängliche Inhalte. Das Opernhaus wird dadurch auch für jene erreichbar, die nicht im Zuschauerraum sitzen können.
Besonders deutlich wird dies beim digitalen Archiv der „La Scala – Rivista del Teatro“. Die Zeitschrift berichtet über Oper, Ballett, Konzerte und das kulturelle Leben des Hauses; das Online-Archiv reicht inzwischen bis in die vergangenen Jahre zurück. Für 2026 sind unter anderem Ausgaben von Januar bis September dokumentiert. Die September-Ausgabe beschäftigt sich etwa mit der neuen Saison und Donizettis „L’elisir d’amore“.
Das Archiv bewahrt dabei nicht nur Premierenberichte. Interviews mit Sängern und Dirigenten stehen neben Beiträgen über Regisseure, Choreografen, Komponisten und die Geschichte des Hauses. Damit entsteht eine eigene dokumentarische Ebene, auf der sich die Entwicklung der Scala anhand ihrer Publikationen verfolgen lässt.
Auch die historische Erinnerung wird digital und analog weitergeführt. Die Ausstellung „1946, La Scala rinasce“ erinnert an den Wiederaufbau des Opernhauses nach den Kriegszerstörungen und ist noch bis zum 30. Dezember 2026 im Ridotto dei palchi „Arturo Toscanini“ zu sehen. Die Scala verbindet damit historische Dokumentation und aktuelle Vermittlung – im Gebäude selbst ebenso wie über ihre digitalen Angebote.
Für ein Opernhaus mit einer Geschichte von mehr als zwei Jahrhunderten besitzt diese Öffnung eine besondere Dimension. Jede aufgezeichnete Aufführung, jedes Gespräch und jeder archivierte Magazinbeitrag erweitert den Zugang zur Institution, ohne die Bedeutung des Ortes selbst aufzulösen. Der Bildschirm kann die Scala dokumentieren und ihre Geschichte zugänglich machen; die unmittelbare Erfahrung einer Aufführung bleibt an den Klangraum des Theaters gebunden.
Die Scala entwickelt damit ein digitales Gedächtnis, das parallel zum Spielplan wächst. Was auf der Bühne nur für einen Abend geschieht, kann als Aufnahme, Text oder Gespräch weiterleben – und die Geschichte des Hauses auch jenen zugänglich machen, die nicht in Mailand im Parkett sitzen.