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5. Oktober 2026

Elīna Garanča wird zur Tosca: Ein ungewöhnliches Rollendebüt in Athen

Elīna Garanča übernimmt erstmals die Titelpartie in Puccinis „Tosca“. Das Debüt der lettischen Mezzosopranistin findet am 24. Januar 2027 an der Griechischen Nationaloper in Athen statt. Damit wagt Garanča den Schritt in eine Rolle, die traditionell zum dramatischen Sopranfach gehört.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Elīna Garanča
Elīna Garanča | © Christoph Köstlin

Mainz/Athen - Elīna Garanča erweitert ihr Repertoire um eine Partie, die lange außerhalb ihres angestammten Fachs lag: Am 24. Januar 2027 wird die lettische Mezzosopranistin an der Griechischen Nationaloper in Athen erstmals als Floria Tosca auf der Bühne stehen. Eine zweite Vorstellung mit Garanča folgt am 28. Januar. Zugleich ist es ihre erste Zusammenarbeit mit dem Haus.

Puccinis Tosca verlangt nicht nur vokale Kraft, sondern eine enge Verbindung von Gesang und dramatischer Handlung. Die gefeierte Sängerin Tosca gerät in die politische und persönliche Gewalt des Polizeichefs Scarpia, der ihre Liebe zu Cavaradossi für seine Zwecke ausnutzt. Zwischen der empfindsamen Vissi d’arte und den zugespitzten Szenen des dritten Akts liegt ein dramatischer Bogen, der die Partie zu einer besonderen Herausforderung für eine Mezzosopranistin macht.

Für Garanča ist der Schritt nicht völlig unvermittelt. In den vergangenen Jahren hat sie ihr Repertoire zunehmend um dramatischere Partien erweitert, darunter Amneris in Verdis Aida, Eboli in Don Carlo und Kundry in Wagners Parsifal. Mit Tosca übernimmt sie nun erstmals eine Rolle, die traditionell mit großen Sopranstimmen verbunden ist. Die Griechische Nationaloper bezeichnet das Debüt ausdrücklich als erstmalige Begegnung der Sängerin mit einer der anspruchsvollsten Sopranpartien des Opernrepertoires.

Ganz neu ist Garančas Beschäftigung mit der Figur allerdings nicht: Vissi d’arte hat sie bereits konzertant gesungen. Nun wird aus der einzelnen Arie erstmals die vollständige Bühnenrolle. Gerade dieser Schritt macht das Athener Debüt zu einem markanten Punkt in ihrer weiteren Repertoireentwicklung.

In Athen trifft Garanča auf Charles Castronovo als Cavaradossi und den griechischen Bariton Dimitri Platanias als Scarpia. Am Pult steht Pier Giorgio Morandi. Die Produktion stammt von Nikos S. Petropoulos, der zugleich Bühne und Kostüme gestaltet. Sie entstand 2007 und verlegt die Handlung aus dem Rom des Jahres 1800 in das von Krieg und Besatzung geprägte Rom des Jahres 1944. Die aktuelle Serie umfasst acht Vorstellungen bis zum 11. Februar; neben Garanča übernehmen Cellia Costea und Sonya Yoncheva die Titelpartie.

Der direkte Vergleich wird damit besonders interessant: Garanča singt dieselbe Tosca, die in derselben Produktion auch von zwei Sopranistinnen verkörpert wird. Ihr Debüt lässt sich so unmittelbar als unterschiedliche vokale Annäherung an Puccinis Titelheldin erleben.

In Athen wird sich zeigen, wie Garančas dunkel gefärbtes, im Mezzofach gereiftes Material mit den dramatischen Anforderungen der Tosca verbindet. Aus der bislang konzertant gesungenen Arie wird erstmals eine vollständige Bühnenfigur – und damit ein neuer Schritt in der Entwicklung einer Sängerin, deren Repertoire sich zunehmend über die Grenzen ihres ursprünglichen Fachs hinausbewegt.