12. Oktober 2026
Zwischen Abschied und Gipfelsturm – Diana Damrau singt Strauss mit Christian Thielemann
Diana Damrau und Christian Thielemann widmen sich in Berlin zwei sehr unterschiedlichen Klangwelten von Richard Strauss: den Vier letzten Liedern, einem musikalischen Nachdenken über Vergänglichkeit, und der Alpensinfonie, die den Aufstieg ins Hochgebirge als orchestrale Dramaturgie entfaltet. Die Staatskapelle Berlin spielt das Programm am 20. Oktober in der Staatsoper Unter den Linden und am 21. Oktober in der Philharmonie.

Mainz/Berlin - Zwei Werke, zwei Perspektiven auf das Leben: In den Vier letzten Liedern entfaltet Richard Strauss eine Musik des Abschieds und der Vergänglichkeit, während die Alpensinfonie mit einem groß besetzten Orchester eine Bergwanderung vom ersten Licht des Morgens bis zum Einbruch der Nacht nachzeichnet. Am 20. und 21. Oktober 2026 präsentieren Diana Damrau, Christian Thielemann und die Staatskapelle Berlin beide Werke in einem gemeinsamen Konzertprogramm.
Die 1948 vollendeten Vier letzten Lieder zählen zu Strauss’ letzten Kompositionen. Die weit gespannte Sopranlinie verbindet sich mit einer fein nuancierten Orchesterbegleitung. Gedichte von Hermann Hesse und Joseph von Eichendorff kreisen um Herbst, Schlaf, Abschied und den Übergang in die Nacht. Statt dramatischer Konflikte entfaltet sich eine allmähliche Bewegung, die im Schlusslied „Im Abendrot“ in der Frage nach dem Ende mündet. Damrau gestaltet diese Musik zwischen sprachlicher Klarheit und orchestraler Weite.
Thielemann und die Staatskapelle Berlin setzen mit dem Konzert ihre 2024 begonnene Beschäftigung mit sämtlichen Orchesterliedern von Strauss fort. Die Vier letzten Lieder stehen damit in einer länger angelegten Auseinandersetzung mit dem Komponisten. Zugleich verlangt die Alpensinfonie dem Orchester mit ihren vielfältigen Klangfarben und ihrer großen Besetzung besondere Präzision ab. Hörner, Holzbläser und Schlagwerk formen eine Landschaft aus Wasserfällen, Wiesen, Gipfelmomenten und einem hereinbrechenden Gewitter.
Die 1915 uraufgeführte Alpensinfonie ist eine Tondichtung ohne Gesang, deren musikalischer Verlauf einer Wanderung durch das Hochgebirge folgt. Strauss führt vom Dunkel vor Sonnenaufgang über den Aufstieg und den Blick vom Gipfel bis zum Abstieg im Sturm. Licht wird zu Klangfarbe, Bewegung zu Rhythmus, Gefahr zu musikalischer Verdichtung. So öffnet sich nach der intimen Rückschau der Vier letzten Lieder eine weit ausgreifende, körperlich erfahrbare Klangwelt.
Das Konzert findet am 20. Oktober um 19 Uhr in der Staatsoper Unter den Linden und am 21. Oktober um 20 Uhr in der Berliner Philharmonie statt. Die erste Aufführung überträgt radio3 des rbb live. Am 19. Oktober gibt es in der Staatsoper zudem eine öffentliche Generalprobe für Menschen unter 30.
Das Programm zeigt Strauss in zwei unterschiedlichen Ausdruckswelten: als Komponisten des leisen Abschieds und als Architekten einer orchestralen Landschaft, deren Gipfel nicht nur erreicht, sondern auch wieder verlassen werden muss.