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10. Oktober 2026

Händels „Agrippina“ bringt barocke Machtintrigen nach Amsterdam

Magdalena Kožená und Julia Lezhneva stehen am 14. November im Concertgebouw Amsterdam gemeinsam in Händels „Agrippina“ auf der Bühne. In der konzertanten Aufführung mit dem Barockensemble Les Accents unter Thibault Noally geht es um politische Täuschung, dynastische Macht und persönliche Interessen im Rom des frühen Kaiserreichs.

Von der Redaktion Opernreiseführer

Das Concertgebouw Amsterdam
Das Concertgebouw Amsterdam | © Jessie Kamp

Mainz/Amsterdam - Macht ist in Georg Friedrich Händels Agrippina kein Ergebnis großer Staatsreden, sondern ein Spiel aus Intrigen, Täuschungen und wechselnden Allianzen. Am 14. November 2026 erklingt die Oper im Concertgebouw Amsterdam im Rahmen der NTR ZaterdagMatinee. Magdalena Kožená singt die Titelrolle, Julia Lezhneva übernimmt die Partie der Poppea. Thibault Noally dirigiert das Barockensemble Les Accents.

Händel komponierte Agrippina für Venedig, wo das Werk am 26. Dezember 1709 im Teatro San Giovanni Grisostomo uraufgeführt wurde. Die Oper wurde zu einem frühen großen Erfolg des jungen Komponisten. Ihr Librettist Vincenzo Grimani war Kardinal und Diplomat – ein politischer Hintergrund, der sich im raffinierten Machtspiel des Stücks spiegelt. Agrippina will ihren Sohn Nerone auf den Kaiserthron bringen. Als Kaiser Claudio für tot gehalten wird, nutzt sie die Nachricht, um ihre Pläne voranzutreiben und das Umfeld des Herrschers zu manipulieren.

Kožená gestaltet Agrippina als Strategin, deren Einfluss weniger auf ihrem Rang als auf ihrer Fähigkeit beruht, andere gegeneinander auszuspielen. Lezhnevas Poppea verfolgt eigene Ziele und entzieht sich den Versuchen, sie zur Spielfigur zu machen. Zwischen beiden Frauen entfaltet sich ein Wechselspiel aus Begehren und Berechnung. Händel zeichnet die Figuren mit prägnanten Rezitativen und Arien, die ihre verborgenen Motive, Selbsttäuschungen und Entschlossenheit sichtbar machen.

Zur Besetzung gehören Christophe Dumaux als Ottone, Adèle Charvet als Nerone und Nicolas Brooymans als Claudio. Adrien Fournaison singt Pallante, Paul Figuier Narciso. Noally leitet Les Accents und führt das Ensemble durch Händels bewegliche, von raschen Wendungen geprägte Partitur.

Die konzertante Aufführung rückt die Stimmen und die musikalische Dramaturgie ins Zentrum. Die Figuren wechseln zwischen Offenheit und taktischem Rückzug; die Arien legen offen, was in den Gesprächen verborgen bleibt. Besonders die Da-capo-Form eröffnet den Sängerinnen und Sängern die Möglichkeit, Wiederholungen variantenreich zu gestalten und die Haltung ihrer Figuren neu zu nuancieren.

Mit Agrippina präsentiert die ZaterdagMatinee ein Werk, in dem Händel bereits die Verbindung von virtuoser Gesangskunst und präziser Theaterpsychologie entwickelt, die sein späteres Opernschaffen prägen sollte. Im Zentrum steht ein politisches Kammerspiel, in dem Einfluss nicht allein aus Macht und Rang erwächst, sondern aus der Fähigkeit, die Absichten anderer zu durchschauen und im entscheidenden Moment die Spielregeln zu verändern.